Pilgerhaus und Pfarrhaus – ein Blick in die Geschichte des Hauses

Das Pilgerhaus in Řimau wurde 1699 von den Jesuiten errichtet. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 diente das Gebäude weiterhin als Pilgergasthaus, ab 1830 als Pfarrhaus, Schule und Mietshaus, das allmählich verfiel. Im Jahr 2020 erwarb die Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP) das Anwesen und begann mit der Renovierung, damit das Haus wieder seinem ursprünglichen Zweck dienen kann – als Wohnsitz der Priester­gemeinschaft sowie als Zentrum der pastoralen Aktivitäten der FSSP und der Pfarrei Řimau.

 
 
Luftaufnahme des Zentrums von Řimau – oben rechts die ehemalige Jesuitenresidenz, unten das heutige Pfarrhaus, in der Mitte die Loretokapelle, umgeben von den Ambiten mit der Kirche des Heiligen Geistes.

Der Wallfahrtsort Řimau benötigte bereits im 17. Jahrhundert Unterkünfte für Pilger. Zu diesem Zweck errichteten die Jesuiten im Jahr 1669 in Řimau ein bisher nicht näher beschriebenes Haus, während sie selbst in ihrer Ordensresidenz wohnten. Die Zahl der Pilger nahm jedoch zu, sodass die Jesuiten 1699 beschlossen, für die Pilger ein neues Haus zu errichten – das heutige Pfarrhaus, Nr. 10. Möglicherweise handelte es sich dabei um eine wesentliche Erweiterung des älteren Pilgerhauses, wofür die Keller sprechen, die nicht dem heutigen Grundriss des Gebäudes entsprechen.

Das Pilgerhaus, das heutige Nr. 10, wurde am 27. April 1699 begonnen und bereits Ende Oktober desselben Jahres fertiggestellt. Jesuitische Jahresberichte vermerken, dass der damalige Prälat von Krummau / Český Krumlov, Gottfried Kapoun von Svojkov (der im selben Jahr Bischof von Königgratz / Hradec Králové wurde), zum Bau beitrug. Der Prälat befahl zudem seinen Untertanen, Holz aus den Jesuitenwäldern für den Bau heranzuschaffen. Die Untertanen spendeten dem Bau zufolge auch das beste Holz aus ihren eigenen Wäldern. (Die Qualität des Holzes erklärt, dass der ursprüngliche Dachstuhl von 1699 bis heute erhalten geblieben ist – also 326 Jahre –, und seine aufwändige Restaurierung erschwert heute die geplante Rekonstruktion.)

Das spätere Pfarrhaus von Řimau bot ursprünglich Unterkunft für Pilger. Das Erdgeschoss diente als Schankwirtschaft und beherbergte gleichzeitig eine Metzgerei. Der erste Mieter des Pilgerhauses und gleichzeitig Metzger war Laurenz Lutsch, der aus dem österreichischen Kirchberg am Walde nach Řimau kam. Die Verbindung von Metzgerei, Schankwirtschaft und Gasthaus war damals üblich. In den warmen Frühlings- und Sommermonaten wurden die Pilger untergebracht, während das Vieh und die Schafe auf die Weiden getrieben wurden; im Winter wurde in dem kleinen Fleischerladen, der sich bis heute im gewölbten Durchgang des Hauses erhalten hat, die Metzgerei betrieben.

Gemälde der Řimauer Muttergottes mit Blick auf Řimau aus dem Jahr 1763 – rechts das damalige Pilgerhaus, in der Mitte das Wallfahrtsareal und links die Jesuitenresidenz.
Nordöstliche Ecke des Pfarrhauses mit deutlich sichtbarem Steinblock – Konsolen des ehemaligen Aborterkers.

Pilger schliefen auf Strohsäcken in drei großen unbeheizten Räumen im ersten Stock und im Dachgeschoss. Dies hängt damit zusammen, dass die Prozessionen nach Řimau von Frühling – dem Fest der Auffindung des Heiligen Kreuzes (3. Mai) – bis zum Spätsommer, dem Fest der Erhöhung des Heiligen Kreuzes (14. September), die Pilgersaison andauerten.

Neben den drei Schlafsälen bot das Haus auch „bessere“ Unterkünfte für adelige Damen, die nicht in der Residenz der Ordensbrüder übernachten konnten, einschließlich einer Trockentoilette im Obergeschoss – dem Aborterker, dessen Überreste (ein Teil des Abflusses in Form eines aus der Fassade herausragenden Steins) bis heute erhalten sind.

Im Haus haben sich außerdem die ursprüngliche Schwarze Küche und der barocke Brotbackofen erhalten.

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 wirkten die ehemaligen Jesuitenpriester in Řimau weiterhin. Im Jahr 1777 kaufte Martin Hengster für 1500 Gulden die Gaststätte vom Kammergut (Eigentum des Königreichs Böhmen), das den Jesuiten entzogen worden war, und vermachte das Haus 1780 seinem Schwiegersohn Johannes Borový. Nach dessen Tod im Jahr 1817 erbte die Tochter Elisabeth, verheiratet mit Franz Čížkovský, das Haus. Die Pilgerstätte Řimau und damit auch das Pilgerhaus überstanden damals ihre schwerste Zeit, als der „aufgeklärte“ Kaiser Joseph II. 1785 versuchte, Wallfahrten und Pilgerorte – einschließlich Řimau – zu verbieten.

Das Pilgerhaus gehörte damals den Eheleuten Čížkovský, die jedoch ihren eigenen Hof in der Mühle in Buzkov an der Moldau (heute vom Stausee Hněvkovice überflutet) hatten, und vermieteten die Řimauer Gaststätte an Anton Ptáčník. 1826 wurde das Pilgerhaus von einem Brand heimgesucht, und im selben Jahr verloren die Eheleute Čížkovský beide Söhne. Deshalb beschlossen sie, das beschädigte Haus an den Besitzer des Řimauer Schlosses, den Großgrundbesitzer Josef Spatzierer, zu verkaufen, der bereits zuvor die ehemalige Jesuitenresidenz in Řimau erworben hatte.

Rekonstruktion des Aussehens des Hauses nach der Beschreibung von 1817.
Blick auf Řimau in einer Kinderzeichnung des Schülers Jan Šimeček aus dem Jahr 1840. Das in das Pfarrchronik eingeklebte Bild zeigt links das Pfarrhaus mit einem deutlich sichtbaren Bild an seiner Fassade.

Spatzierer hatte große Pläne für Řimau, zu denen auch das beschädigte Pilgerhaus gehörte. Aus der Řimauer Jesuitenresidenz, die er bislang noch mit Priestern teilen musste, wollte er ein repräsentatives Schloss machen und aus dem Řimauer Herrschaftsgut ein Industriezentrum entwickeln. Seine Pläne für den Bau einer Pferdebahn von Budweis / České Budějovice nach Linz über Řimau scheiterten am ungeeigneten Gelände. Auch der Bau eines Industriekomplexes an der Fluss Maltsch gelang ihm nicht.

Es gelang ihm jedoch 1821, den Řimauer Priester Wenzel Klas aus seiner ursprünglichen Wohnung zu vertreiben, auf die er in den Räumen der Residenz auch nach der Aufhebung des Jesuitenordens Anspruch hatte. Unter dem Versprechen, innerhalb von 15 Jahren ein neues Pfarrhaus zu errichten, setzte er ihn „vorübergehend“ zunächst in schlechtere Zimmer im Řimauer Schloss. Das Zusammenleben mit dem Großgrundbesitzer unter einem Dach war für den Priester unerträglich. Wenzel Klas war schließlich froh, dass er 1827 auf die Pfarre in Shorsch bei Patzau / Zhoř u Pacova versetzt wurde.

Sein Nachfolger, der Priester Johannes Marchal, wurde 1830 vom Großgrundbesitzer Spatzierer vom Schloss vollständig vertrieben. Sowohl die Pfarre als auch die Schule mit dem Lehrer Johannes Šimeček wurden am 15. August 1830 aus dem Schloss in das erwähnte Pilgerhaus verlegt, das er nach den Brandschäden baulich anpassen ließ. Damals wurde über dem Durchgang mit dem ehemaligen Fleischerladen ein Stockwerk mit zwei kleineren Zimmern angebaut. Aus der Schenke im Erdgeschoss und der Schwarzen Küche wurde eine Priesterwohnung geschaffen, die über eine innere Treppe mit den zwei Zimmern im Stockwerk über dem Durchgang verbunden war. Aus dem größeren Schlafsaal für Pilger im südlichen Teil des Obergeschosses entstand ein Klassenzimmer, und aus dem kleineren Schlafsaal sowie dem Zimmer für adelige Damen wurde die Wohnung des Lehrers mit Familie. Die Schule und die Lehrerwohnung waren über eine Pawlatsche zugänglich, einen Laubengang, der als Bauelement typisch für die Länder der ehemaligen Österreichischen Monarchie war.

Spatzierer verpflichtete sich schriftlich, dass er, solange kein neues Pfarrhaus errichtet sei, dem Pfarrer jedes Jahr ein halbes Fass Bier aus der Schlossbrauerei schicken werde. Mit diesem Versprechen verpflichtete er auch alle künftigen Schlossbesitzer, bis ein neues Pfarrhaus stehen würde. Der Großgrundbesitzer Spatzierer brachte schließlich seinen Besitz in finanzielle Insolvenz und verkaufte 1844 das Schloss von Řimau mit allen Gütern. Das Versprechen, ein neues Pfarrhaus zu errichten, wurde nie erfüllt, und an die Fässer Bier wurde vergessen. Die Priester von Řimau wurden schließlich auch ein Stück „Schlossgarten“ weiter gebracht, an den Ort einer der Kapellen des Passionswegs (Bei Simon non Cyrene), wo das geplante Pfarrhaus hätte stehen sollen

Zeichnung des Pfarrhauses noch mit Schindeldach von Südosten und Blick aus dem Hof von 1913.
Blick auf das Pfarrhaus von Süden mit dem bereits neuen Dach, fotografiert am 5. Juli 1917.

Die Nutzung des ehemaligen Pilgerhauses als Pfarrhaus und Schule gleichzeitig war von Anfang an ungeeignet. Da die Wohnung des Pfarrers sich direkt unter dem Klassenzimmer befand, beklagten sich die Pfarrer über den ständigen Lärm. Die Schule im Pfarrhaus blieb bis 1889 bestehen, doch auch danach mussten die Pfarrer von Řimau das weitläufige Gebäude mit weiteren Mietern teilen, die von den Besitzern des Schlosses von Řimau untergebracht wurden. Zu diesem Zweck wurden im ersten Stock Trennwände eingezogen, die die innere Holzkonstruktion und die Balkendecken beeinträchtigten. Das heutige Dach stammt aus dem Jahr 1917 und ersetzte das ältere Schindeldach.

Im Haus, das neben dem Priester von weiteren vier Familien bewohnt wurde, gab es nur zwei Trockentoiletten und einen gemeinsamen Brunnen im Hof. Elektrizität wurde 1929 eingeführt, und diese historischen Stromleitungen funktionieren teilweise bis heute

Die Pläne für den Umbau des ungeeigneten Pfarrhauses, das erst 1948 Eigentum der Pfarre wurde, wurden durch die Errichtung des kommunistischen Regimes vereitelt. Sogar die Schenkung des Pfarrhauses an die Pfarrei durch den Schlossbesitzer Alois Dyk im Jahr 1948 wurde im Grundbuch nicht eingetragen. Das Pfarrhaus von Řimau wurde somit vom vom Staat kontrollierten kommunistischen System beschlagnahmt und über viele Jahrzehnte nur provisorisch instand gehalten. Der Pfarrer, der die Staatlische Erlaubnis hatte, konnte zwar weiterhin dort wohnen, aber der durch die Komunistische Partei kontrolierte „Volkssusschuss“ der Gemeinde Řimau brachte weitere Mieter in das Pfarrhaus ein. Nach 1990 wurde das Pfarrhaus schließlich als Eigentum der Pfarre eingetragen, doch die jahrelange Vernachlässigung hatte ihre Spuren am Gebäude hinterlassen. Auch in den folgenden Jahren verfügte die Pfarre nicht über die Mittel, das verfallende Kirchengebäude, geschweige denn das Pfarrhaus, zu reparieren.

Blick auf den Pfarrhof im Jahr 1950.
Blick auf die Galerie des Pfarrhauses mit dem 2018 rekonstruierten Teil.

Seit 2014 wurde das Pfarrhaus nicht mehr dauerhaft bewohnt. Im Jahr 2018 reparierte das Bistum Budweis zwei Räume im Pfarrhaus für einen möglichen zukünftigen Pfarrer, der aufgrund des Priester­mangels jedoch nur schwer zu finden war. Das unbewohnte Pfarrhaus mit den zwei hergerichteten Zimmern wurde 2019 der Priesterbruderschaft St. Petrus als Sitz der Gemeinschaft übergeben, während das Wallfahrts­zentrum und die Pfarrei vom Bistum Budweis der Verwaltung der FSSP anvertraut wurden.

Im Jahr 2022 erwarb die Priesterbruderschaft St. Petrus das Haus von der Römisch-katholischen Pfarre Řimau, da die FSSP als Investor für die notwendige Restaurierung des Gebäudes vorgesehen war.. 

Geschichte des Pfarrhauses

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P. Jan Vatter FSSP,
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